Kar-Carssadh

Zweiter Spielabend: Nächtliche Verwirrung

Worin Armand und Makoto sich an ungewöhnlichem Orte wiederfinden und einen Plan fassen

Ein salziger Geschmack war der erste Eindruck, als Makoto wieder das Bewußtsein erlangte. Doch es war nicht die allgegenwärtige Seeluft – dieser Geschmack war mit Eisen versetzt. Während der Yakatani die Liste seiner zahlreichen Geschäftspartner (um nicht zu sagen: Konkurrenten (um nicht zu sagen: Feinde)) durchging, gesellten sich weitere Sinneseindrücke hinzu: Es war fast stockdunkel, nur das diffuse Glimmen des für die tieferen Tunnel typischen magischen Nebels spendete eine völlig unzureichende Beleuchtung. Es war außerdem unbequem, denn Makoto stellte zu seinem Bedauern fest, dass er völlig entblößt auf nacktem Steinboden lag. Und es war nichts gebrochen und er hatte auch sonst keine Wunden davon getragen, ein deutlicher Pluspunkt in seiner langen Liste der aktuellen Misere.

Nachdem er sich (hauptsächlich mental) gesammelt hatte, fand sich schnell eine der magischen Notlampen, die allgegenwärtig in den Tunneln waren. Ihr kurzlebiges Licht enthüllte, dass sich Makoto in guter, wenn auch ziemlich toter Gesellschaft befand. Eine wunderschöne Yakatani mit einem Nichts von Nachtkleid bedeckt (wenn man mal von den zahlreichen Blutspritzern und -flecken absah) lag neben ihm am Boden, ihre sehr kunstvolle und komplizierte Frisur legte nahe, dass sie dem (absurd gut bezahlten) horizontalen Gewerbe nachging. Eine genauere Untersuchung ergab jedoch, dass die Bezahlung einzig und allein an ihren Besitzer ging: Es handelte sich um eine Gebrochene. Das Blut schien jedoch nicht von ihr zu stammen, jedenfalls fanden sich keine Wunden. Schließlich fiel ihm noch ein in dieser Umgebung geradezu obszön weißes und sehr teuer aussehendes Handtuch, ein blutbedecktes Fischmesser von guter, aber einfacher Qualität sowie ein blau phosphorizierendes Mal auf seinem Handrücken auf. Das Mal stellte eine sich räkelnde Schönheit dar und war ihm als Eintrittsstempel eines Bordells im Purpurturm bekannt, dessen Preisklasse der des Handtuchs und der toten Schönheit ebenbürtig war.

Als Hundegebell ertönte, schob Makoto die sich überschlagenden Gedanken beiseite, griff sich Messer und Handtuch und rannte mit patschenden Füßen in die andere Richtung davon. Bald erreichte er einen der Abwasserkanäle. Mit einigen raschen Schritten legte er eine falsche Spur, verdeckte dann seinen Geruch mit einem unterwegs aufgeklaubtem völlig verfaultem Fisch und verbarg sich dann in der kräftigen, aber gleichmäßigen Strömung des kalten Wassers. Wenige Momente später kamen drei Kampfhunde in seinen Sichtbereich, die offensichtlich mit magischen Mitteln zu den drei größten, fiesesten, gemeinsten, gefährlichsten und furchterregendsten Vertreter von des Menschen bester Freund aufgewertet worden waren. In ihrem Kielwasser ein Gruppe Straßenschläger und ein Wedländer: Schwarzer Ledermantel mit hohem steifen Kragen, Glatze und glitzernden runden Augengläsern. Wenige Augenblicke später waren sie wieder verschwunden und Makotos kraftloser Körper trieb mit der Strömung den Kanal hinunter.

Irgendwo anders kam auch Armand wieder zu Bewußtsein und hatte ein Rauschen im Ohr. Auch er fand sich in einem Tunnel wieder an einer Stelle, wo sich das Rauschen dreier Wasserfälle zu einer dicken Geräuschdecke verband. Dank besserer Beleuchtung, fehlender Verfolger und angemessenerer, wenn auch in Mitleidenschaft gezogener Bekleidung erreichte der Alchimist bald darauf wieder den oberen Teil der Stadt, weit im Süden und nicht unweit des Purpurturms. Es musste mitten in der Nacht, wohl etwa 3 Uhr sein. Gesetzt dem Fall, dass sie nicht länger als einen Tag ohne Bewußtsein waren, fehlte ihnen die Erinnerung von über 12 Stunden.

Als Armand einen kostbaren Anhänger betrachtete, der sich unverhofft an einer Kette um seinen Hals fand, trat die gut organisierte Unterwelt Kar-Carssadhs in Aktion und heftete sich an seine Fersen. Ein inzwischen um einen Pennermantel reicherer Makoto erinnerte die Straßenräuber jedoch daran, dass in dieser Gegend der Purpurturm in Form dreier tödlicher weiblicher Assassinen das Sagen hatte und zog seinen neuesten “Geschäftskollegen” dann zum nächsten halbwegs sicheren Ort, der Schwalbe. Das Treffen einiger Unterweltgrößen just in dieser Nacht in dieser Schenke war zwar nicht eingeplant, bescherte den beiden aber weniger Aufmerksamkeit als sonst üblich. Ausgestattet mit neuer Kleidung und einem mittelmäßigem, aber wärmenden Wein im Bauch tauschten sich die beiden aus. Dabei erzählte Armand noch von einem verwaschenem grünen Mal auf seinem Arm, dem seltsamen Anhänger und vier Spielchips im Gesamtwert von 4000 Silbern. Mal und Spielchips ordnete Makoto dem ebenfalls im Purpurturm befindlichen Casino The Green Lady zu. Es schien, als hätten Armand und er Grund und Geld zum Feiern gehabt. Der Anhänger gehörte zu einem der besten Hotels in der Stadt namens Das Drachenhaus, in dem jedoch hauptsächlich Offiziere und Reisende der Passagierschiffe abstiegen.

Bald war der Plan gefasst, dem Hotel einen Besuch abzustatten, doch vorher schickte Makoto noch einen Späher zu Armands Wohnung/Labor, um die Luftreinheit zu prüfen. Der Alchimist überprüfte außerdem noch das Blut des Fischmessers und den Hotelraumschlüssel/-anhänger. Alldieweil schwebte die Frage im Raum: Was war aus Jinkuro Shimazu geworden?

Comments

Gelungener Kunstgriff, würde ich mal sagen :)

Sorry, dass Armands Erwachen so kurz gefasst war, aber mit ICQ zum Laufen bringen habe ich nicht so viel mitbekommen. Aber du kannst gerne noch ergänzen, Helge, falls ich was vergessen habe.

Bis heute abend :)

TigervonTindalos

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